Am Plage Blanche machte uns das Wetter mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Eigentlich hatten wir uns vorgestellt, mit den Fahrrädern den endlosen Strand zu erkunden. Aber den ganzen Nachmittag blies ein so heftiger und zudem noch heißer Wind, dass wir darauf verzichteten. Gegen Abend ließ der Wind nach, und wir konnten unser Abendessen in der lauen Nachtluft unter einem klaren Sternenhimmel genießen.
Leider frischte der Wind in der Nacht wieder auf, sodaß wir noch vor dem Frühstück beschlossen, unsere Strandpläne aufzugeben und die Küste endgültig zu verlassen. Kurz vor Guelmin überquerten wir noch einmal den Oued Noun, der an dieser Stelle über mehrere Kaskaden hinunter in eine enge Felsschlucht fließt. Wir kannten die Stelle von einer unserer letzten Reisen, sonst wären wir einfach weiter gefahren, denn man kann die Schlucht von der Strasse aus nicht sehen. So aber suchten wir uns einen Platz mit schönem Blick hinunter auf den Fluss und machten Frühstückspause.
Frisch gestärkt ging es dann weiter hinein nach Guelmin, denn wir brauchten mal wieder Bargeld, Trinkwasser und ein paar Lebensmittel. In den nächsten Tagen endet der Ramadan,und dann haben alle Geschäfte für 2 Tage geschlossen. Der genaue Termin für das Ende des Ramadan hängt von der ersten Sichtbarkeit der Mondsichel nach Neumond ab und wird erst in der vorangehenden Nacht bekanntgegeben. Man sollte also vorbereitet sein. Eigentlich gibt es in den Städten überall Bankautomaten, und das Abheben mit einer europäischen Bankkarte oder Kreditkarte funktioniert meist problemlos. Dieses Mal hatten wir allerdings erst bei der dritten Bank Erfolg.
Wasser holten wir uns an einer der öffentlichen Wasserstellen der Stadt, weil wir hofften, hier in der Großstadt besseres Wasser zu bekommen als auf dem Lande.
Gut versorgt hielt uns nichts mehr in der Stadt, und wir fuhren weiter nach Bouizakarne, wo wir etwas außerhalb der Oase einen einfachen Wohnmobilsstellplatz im Internet entdeckt hatten. Dort verbrachten wir den restlichen Tag mit faulenzen. Das Thermometer klettert hier im Landesinneren zur Zeit am Nachmittag über 30Grad, und in der Sonne ist es dann kaum auszuhalten. Aktivitäten verschiebt man deshalb am Besten auf den frühen Morgen. Unser Radausflug in den Ort und durch die Oasengärten fand deshalb am nächsten Morgen noch vor dem Frühstück statt. In den Orten ist das Radfahren kein Problem, in den Oasengärten sind die Wege hingegen weniger fahrradtauglich.
Trotzdem haben wir den Ausflug genossen.
Noch war das Ramadanende nicht verkündet worden, und so beschlossen wir, die heiße Zeit des Tages zu nutzen, um nach Icht weiterzufahren. Dank Klimaanlage ist es während der Fahrt im Auto gut auszuhalten und in Icht sollte es einen Campingplatz in der Oase mit mehr Schatten geben.
Die Landschaft wird immer afrikanischer, je weiter man ins Landesinnere kommt, eine ockerfarbene bergige Savanne, bestanden mit einzelnen Akazienbäumen.
Unter einem von ihnen suchten wir etwas Schatten für unsere Mittagspause.Hier regnet es fast nie,und die Temperaturen steigen im Sommer über 40 Grad. Im Kontrast zu der sie umgebenden Savanne, stehen die plötzlich auftauchenden grünen Oasen mit ihren Ortschaften, in denen die Häuser eng zusammen stehen, als wollten sie sich gegenseitig Schatten spenden.
Icht, unser Ziel, ist solch eine typische alte Oase. An ihrem Rand fanden wir unser Ziel, das Hotel Camping Amerdoul. Hier gab es tatsächlich schattige Stellplätze unter großen Palmen, ein geöffnetes Restaurant und sogar einen einfachen Swimmingpool.
Viel Wasser war zwar noch nicht im Pool, aber für ein kühlendes Bad reichte es.
Bei der Anmeldung hatten wir uns für den nächsten Morgen zu einer Führung in die sogenannte unterirdische Stadt angemeldet, falls sie denn stattfindet….
In diesem mittlerweile fast völlig verlassenen und verfallenden Teil der Altstadt lebten die Menschen in den heißen Monaten praktisch unter der Erde, denn die kellerartigen unteren Stockwerke der Häuser waren durch überdachte dunkle Gänge alle miteinander verbunden, zu denen es nur wenige Zugänge gab.
Abends entdeckte Carola dann die dünne Mondsichel flach über dem Horizont und in der Nacht verkündeten es dann auch die Lautsprecher von den Minaretten: der Ramadan ist vorbei!
Damit entfiel natürlich die Führung am nächsten Morgen, denn für die nächsten zwei Tage spielt sich das Leben der Marokkaner, abgesehen von den obligatorischen Besuchen der Moschee, im Familienkreis ab, ganz ähnlich wie bei uns an Weihnachten. Man zieht sich festlich an, es gibt Geschenke, Süßigkeiten und man besucht Verwandte.
Wir nutzten den frei gewordenen Vormittag, um mit den Fahrräder den Ort und die Palmengärten zu besuchen. Begleitet wurden wir von den über die Lautsprecher der Minarette übertragenen Gebeten und Predigten der Muezzine.
Gelegentlich begegneten uns festlich gekleidete Gruppen auf dem Weg zur Moschee oder zurück nach Hause, die ganz anders wirkten, als in den letzten Tagen. Sie winkten, grüßten freundlich und bedankten sich überschwenglich, wenn wir sie zum Festtag beglückwünschten. Den Rest des Tages verbrachten wir mit faulenzen und sogar Carola traute sich in den über Nacht komplett gefüllten Pool. Als Sundowner gab es unsere letzte Flasche gut gekühlten Cidre, bevor wir uns unser Abendessen selber zubereiteten, denn auch auf den Campingplatz herrschte nur Notbesetzung, und die Küche des Restaurants blieb kalt.
Am nächsten Morgen, wir wollten gerade packen und weiterfahren, informierten uns andere Camper, dass der Führer bereit wäre, heute Vormittag einen Rundgang durch die“unterirdische“ Stadt anzubieten. Also verschoben wir unsere Pläne zur Weiterreise erst einmal. Es dauerte noch eine Weile, bis Jamal, unser Guide, tatsächlich auftauchte, aber dann machten wir uns zu Fuß auf den Weg. Carola hatte kurzfristig entschieden am Auto zu bleiben. Zweieinhalb Stunden führte uns Jamal durch die Oase und den alten „unterirdischen“ Ort und erzählte viel über das Leben hier. Dabei sprach er französisch und nutzte sein Handy, um uns vieles direkt vom Arabischen ins Deutsche übersetzten zu lassen, denn unsere kleine Gruppe bestand neben mir aus 2 Holländern und 2 Österreichern.
Die „unterirdische“ Stadt ist die gut 500 Jahre alte Altstadt von Icht. Wie viele Lehmsiedlungen in der heißen Region Marokkos bilden die Häuser ein geschlossenes Ensemble mit meist nur zwei Zugängen. Die engen Gassen sind völlig überbaut und nur durch Lichtschächte kommt ab und zu etwas Tageslicht herein. Die Häuser haben in der Regel 3 Geschosse, die um einen schachtartigen offenen Innenhof gebaut sind. Nur über diesen Schacht kommt Licht herein, denn die Außenwände stoßen unmittelbar an die Nachbarhäuser.
Jamal führte uns in das Haus seines Großvater, der hier bis 2004 gelebt hat. Heute leben wohl noch 10 Familien hier, alle anderen sind in „komfortablere“ neue Häuser umgezogen. 1960 waren die Häuser sogar noch minimalistisch mit Elektrizität versorgt worden, aber Wasser mußte von draußen hereingeholt werden.
Knapp 3 Stunden waren wir mit Jamal unterwegs, und es war schon früher Nachmittag, als wir zum Camp zurückkehrten. So beschlossen wir, noch eine Nacht hier zu bleiben, noch ein wenig zu faulenzen und uns noch einmal bekochen zu lassen