Noch mehr Ruinen – oder – warum ist es auf dem Vulkan so kalt?

Da die Wolken auch am nächsten Morgen noch keine Anstalten machten sich zu verziehen, verschoben wir die geplante Besteigung des Vesuv und fuhren erst einmal hinunter ans Meer nach Herculaneum. Während unserer Bildungtour durch Pompei war der Name dieser 2. Ausgrabungsstätte mehrfach aufgetaucht und hatte uns neugierig gemacht. Der zugängliche freigelegte Teil der Stadt ist zwar viel kleiner als Pompei – nur gut 200 x 300 m – aber deutlich besser erhalten, da die Stadt unter einer bis zu 20 m hohen Schicht heißem Schlamm begraben wurde, der anschließend versteinerte. Nach der zufälligen Entdeckung hat man viele Jahre nur unterirdische Grabungen über Bohrlöcher und von dort ausgehende Tunnel durchgeführt, einmal, weil die technischen Möglichkeiten fehlten, die Versteinerungsschicht abzutragen, zum anderen, weil das Gebiet weitgehend überbaut war. Heute präsentiert sich die Ausgrabung als 20m tiefes Loch von 200 x 300m mitten in der Stadt Resina, in dem die Hafenmauer und 3 Straßenzüge mit mehrgeschossigen Häusern stehen, die von oben zum Teil aussehen, als wären sie noch bewohnbar.

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Aufgrund der besonderen Situation sind hier auch Dinge aus Holz erhalten geblieben, zwar komplett verkohlt, aber ansonsten unbeschädigt. Deckenbalken, Tür- und Fensterrahmen, aber auch filigrane Objekte wie Möbel und feingearbeitete Türblätter zeugen so noch von der handwerklichen Kunstfertigkeit bei der Holzberarbeitung. Wie auch in Pompei sind viele Wände bemalt, teilweise regelrecht in einer Art Illusionsmalerei, die meisterlich räumliche Darstellungen, Perspektiven und Fluchtpunkte nutzte, und das vor mehr als 2000 Jahren!

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Vieles an den Straßen und Gebäuden erinnerte uns an Straßenbilder wie wir sie in Indien oder auch Marokko gesehen hatten, so zu Beispiel die vielen Tavernen mit steinernem Tresen am breiten Eingang, in den große Tongefäße eingemauert sind, die zum Warmhalten von Speisen dienen.

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Auch der Aufbau der Häuser mit Innenhöfen in denen Wasserbecken das Regenwasser sammeln und für Kühlung sorgen sollten ähnelt dem in orientalischen Ländern.

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Merlin wollten wir nicht noch so eine Besichtigungstour zumuten und so durfte er im Auto bleiben. Als Ausgleich hatten wir ihm versprochen, abends hinauf zum Gipfel des Vesuv zu fahren und dort mit ihm zum Krater zu klettern. Das mit dem Hinauffahren ging auch noch ganz gut. Oben auf 1000m Höhe hatte der Wind zwar inzwischen den Regen weggeblasen, wollte uns aber auch gleich wegblasen und hatte das Thermometer auf 6 Grad sinken lassen. Glücklicherweise war der Zugang zum Krater auch bereits für den Abend versperrt worden, sodass wir einen guten Grund hatten schnell zum Auto zurückzukehren und die kalte windige Region wieder zu verlassen.

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500 Höhenmeter unter dem Gipfel fanden wir dann an einem Ausflugslokal einen geschützten Platz. Zu Essen wollte man uns zwar nichts mehr anbieten, aber wir durften für die Nacht auf dem Parkplatz hinter dem Lokal mit tollem Blick über den Golf von Neapel stehen bleiben.

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