12. November 2014 – Tamdakhte
5 Tage sind schon wieder vergangen seit dem letzten Eintrag und das Leben ist etwas turbulenter geworden seit wir nicht mehr alleine sind.
Aber der Reihe nach: vom Wüstencamp Sardrar ging es nach N’kob, einem kleinen Wüstennest, dass in den letzten Jahren zu Wohlstand gekommen ist, weil es eine gute Ausgangsbasis für Trekkingtouren ins Sarhro Gebirge ist. Inzwischen gibt es dort mehr als 40 schön renovierte Kasbahs, viele davon heute kleine Familienhotels mit schönem Ambiente. Eine davon haben wir uns genauer angeschaut. Als Europäer hat man überall Zugang, kann sich die Gärten anschauen und den Rundblick von der Dachterasse genießen. Meist werden einem auch ungefragt alle Räumlichkeiten vorgeführt. Da es von hier nur noch 60 km bis nach Asslim waren, machten wir mittags noch mal Halt in Tamnougalt um bei Chez Yakoub etwas zu Mittag zu essen und wurden dort herzlich wie alte Bekannte begrüßt.
Nach 7 Wochen immer an neuen Orten ist es ein gutes Gefühl mal an einen Ort zurück zu kehren, den man in guter Erinnerung hat und dort als alter Bekannter begrüßt zu werden. Ähnlich erging es uns dann in Asslim in der Kasbah von Caïd Ali. Wir saßen dort am späten Nachmittag lange mit Gaelle bei einem Tee zusammen und tauschten aus, was in den knapp 2 Wochen seit unserem letzten Besuch so alles passiert ist. Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns erst gegen Mittag von Gaelle, da wir nur 80 km Tagesetappe vor uns hatten, denn abends wollten wir Gabriele und Klaus-Peter in ihrem Hotel am Stausee El-Mansour-Eddahbi bei Ouarzazate überraschen. Die Fahrt über den 1660m hohen Tizi-n-Tinififft war in dieser Richtung noch eindrucksvoller, da man die Sonne im Rücken hatte und im Norden im Hintergrund immer wieder die jetzt schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas auftauchten. Kurz vor Ouarzazate tauchte rechts der Strasse ein Schild auf, dass auf eine Zufahrtsstrasse zum südlichen Ufer des Stausees hinwies. Wir hatten noch Zeit, und unsere Karte zeigte uns, dass die ausgeschilderte Piste nach 10 km genau gegenüber dem Royal Golf Club am See enden sollte, sodaß wir uns vielleicht sogar zuwinken könnten. Also bogen wir ab auf die Piste, wunderten uns zwar nach ein paar Metern über ein merkwürdiges Einfahrtsverbotsschild neben der Piste, hielten das Schild aber für eine der vielen marokkanischen Kuriositäten und fuhren weiter. Die Fahrt verlief auch problemlos bis ca. 3 km vor dem Seeufer, dann tauchte hinter einer Kurve um einen Hügel ein Schlagbaum und eine Baracke neben der Strasse auf. „Jetzt gibt es sicher Ärger“ dachte ich mir, fuhr aber konsequent bis an den Schlagbaum und fragte den dort stehenden Posten, ob er den Schlagbaum für uns öffnen könne, damit wir ans Seeufer weiter fahren könnten. Höflich fragte er mich nach einem Erlaubnisschreiben, dass ich Ihm natürlich nicht vorweisen konnten. Das nahm er mit Bedauern zur Kenntnis und erklärte, er würde uns gerne weiterfahren lassen, wir müsste nur vorher bitte in Ouarzarzate beim Präfekten ein solches Erlaubnisschreiben einholen, dann würde er uns gerne den Schlagbaum öffnen. Wir bedankten uns höflich für die Auskunft, wendeten und machten, dass wir davon kamen, bevor noch ein anderer Posten aus der Baracke auftauchen konnte, der vielleicht nicht so freundlich mit fremden Spionen umgehen würde, die unerlaubt 6 km weit in eine gesperrte Piste hineingefahren sind…..
Nachdem wir uns weit genug von dem Posten entfernt hatten, hielten wir erst einmal an und gönnten uns eine Kaffeepause, bevor wir in die Stadt Ouarzazate hineinfuhren. In Ouarzazate angekommen, führte unser erster Weg in einen von Gaelle empfohlenen Supermarkt um unsere inzwischen doch arg geschrumpften Vorräte mit lebenswichtigen Dingen wie Nutella, Käse und Instantsuppen aufzufüllen. Dann ging es weiter entlang des Nordufers des Stausees zum Royal Golf Resort. Das Resort entpuppte sich als eine Halbinsel am Stausee, bebaut mit jeder Menge Luxusvillen, von denen aber nur wenige bewohnt aussahen und einem Luxushotel in einem parkartigen Gelände, dass wohl ursprünglich mal der Golfplatz werden sollte. Merkwürdigerweise wusste an der Rezeption niemand etwas von den Beiden. Bei genauerer Recherche in unseren Aufzeichnungen zeigte sich dann, dass auch das Hotel anders hieß wie von Klaus-Peter beschrieben. Offenbar musste es noch ein zweites Hotel in der Nähe geben. Nach längerer Suche fanden wir es schließlich, wären aber fast wieder unverrichteter Dinge weggefahren, da der Besitzer mit den von uns genannten Namen nichts anfangen konnte und immer nur erklärte, die Saison sei zwar vorbei, aber wir könnten gerne noch ein Zimmer bekommen. Zufällig war Klaus-Peter gerade dabei Gepäck aus dem Auto zu holen und hörte uns, sodass der Überraschungsbesuch doch noch klappte und wir einen netten Abend bei einer Flasche Wein mit gegenseitigem Fragen und erzählen verbrachten. Freundlicherweise durften wir unser Auto für die Nacht neben dem Hotel stehen lassen, und brauchten nicht zu dem vorher ausgesuchten Stellplatz für die Nacht zurückfahren.
Bereits am Nachmittag war Wind aufgekommen, der sich in der Nacht aber legte, dafür wurde es bitter kalt. Am Morgen meldete er sich dann heftig zurück und als wir gemeinsam zum großen Wochenmarkt von Ouarzazate aufbrachen, zogen dunkle Wolkenschleier vom Hohen Atlas herunter, die sich am unteren Rand bereits braun färbten, und als wir den Markt erreichten, fegte ein Staubsturm über den Platz hinweg. Viele Händler hatten ihre Stände bereits abgebaut und die Verbliebenen kämpften gegen das Wegfliegen ihrer Stände und Planen. Bereits vor einigen Tagen hatte uns in Tamnougalt unser netter Guide beim Wiedersehen erzählt, dass es nächste Woche in ganz Marokko Regen geben wird, da am Freitag in allen Moscheen für Regen gebetet worden ist. Dem Regenbogen nach, der sich am Nachmittag vom Atlas in vollem Bogen bis in die südliche Wüste erstreckte hat Allah zumindest guten Willen gezeigt, bis auf ein paar Tropfen ist aber südlich des Atlas nicht viel heruntergekommen. Das muß wohl alles bereits in höheren Luftschichten verdunstet sein.
Der heftige Wind blieb uns allerdings bis zum nächsten Morgen erhalten und sorgte für winterliche Temperaturen von ca. 6 Grad in der Nacht. So verzogen wir uns fürs gemeinsame Abendessen ins geheizte Berberzelt des Hotels und blieben dann noch eine weitere Nacht neben dem Hotel auf einer Anhöhe am Seeufer, während der Wind an unserem Auto rüttelte. Morgens war der Spuk dann vorbei, der Himmel leuchtend blau, die Luft klar und die gesamte Kette des Atlas schneeweiß. Nach Frühstück und Verabschiedung machten wir uns auf nach Tamdaghte, während Gabriele und Klaus-Peter Richtung Todraschlucht aufbrachen. Auf der ganzen Fahrt Nach Norden hatten wir das verrückte Panorama der schneebedeckten Berge hinter einer kahlen gelbroten Sand- und Geröllebene vor uns und hätten fast die Abzweigung ins Tal von Aït Ben Haddou verpasst, die schneller als erwartet auftauchte. Irgendwie hatte ich mir die Berge hier höher vorgestellt. Im Vergleich zu den Tälern, die wir vorher besucht hatten, wirkte die Landschaft hier noch sehr offen. Das änderte sich erst auf den wenigen Kilometern zwischen Aït Ben Haddou und Tamdakhte. Auch die Kulisse von Aït Ben Haddou am anderen Flussufer wirkte weniger imposant als erwartet. Der Ort entsprach dann eher dem erwarteten Bild mit seinen am Straßenrand aufgereihten Hotels und Touristenbussen. Wir hielten aber auch nur kurz um einen Blick hinüber zu werfen und fuhren die 4 km weiter nach Tamdakhte.
Kurz vor den ersten Häusern hielten wir abseits der Strasse um Merlin noch etwas Auslauf zu gönnen und in Ruhe noch einen Kaffee zu trinken. Dort wurden wir prompt von Hanne und Roger gesichtet, die kaum eine halbe Stunde später aus der Gegenrichtung von Teluet her die Straße herunter gefahren kamen. Also wurde erst einmal neuer Kaffee gekocht und erzählt, bevor wir dann gemeinsam unser Quartier für die nächsten Tage in Augenschein nahmen. Beim Tee auf der Dachterasse nach herzlicher Begrüßung durch Colette und Michel tauchten dann auch Bernhard und Arnim auf. Damit war die Geburtstagsrunde komplett und ein gemütlicher Abend konnte ungehindert seinen Lauf nehmen. Colette und Michel und die gesamte Crew der Kasbah Ellouze samt den 4 Dromedaren machten es allen leicht, sich hier sofort Zuhause zu fühlen und uns war schnell klar, dass wir keinen besseren Ort hätten finden können.
6-8 Leute mit ihren unterschiedlichen Vorstellung von Tagesgestaltung unter einen Hut zu bringen ist oft alleine bereits ein tagesfüllendes Programm, dass nach autoritärem Eingriff verlangt, bisher jedoch problemlos basisdemokratisch gelöst wurde, sodass Carola auch am Vorabend ihres Geburtstag in jetzt kompletter Runde noch überzeugend verkünden konnte:“ich freue mich immer noch total, dass ihr alle meiner verrückten Einladung gefolgt seid“.
Manfred